Wenn Sie sich engagieren wollen

Seit 1995 sind rund 50 Helfende freiwillig tätig, um pflegende Angehörige stundenweise zu entlasten: Sie bieten eine soziale Betreuung für demenzkranke Menschen, so dass die Angehörigen „ein paar Stunden Urlaub“ von der oft aufreibenden Pflege rund um die Uhr nehmen können. Dafür erhalten Sie eine Aufwandsentschädigung von 8,50€ pro Stunde.
Wenn Sie sich freiwillig engagieren wollen, melden Sie sich bitte bei Friederike Legal: E-Mail: f.legal@angehoerigenberatung-nbg.de T: 0911 26 61 26

Wir möchten Sie einladen, unsere Helfenden bei einigen Einsätzen zu „begleiten“ und einmal kennen zu lernen, wie vielfältig und sinnvoll diese Tätigkeit ist...

Montag, „Erstbesuch“ bei Familie Müller

Eine Mitarbeiterin der Beratungsstelle und Frau G. besuchen heute gemeinsam Herrn und Frau Müller (alle Namen von Betroffenen und Angehörigen sind im Folgenden geändert und die Situationen verfremdet). Frau Müller muss ihren demenzkranken Ehemann rund um die Uhr beaufsichtigen, denn sobald er allein ist, wird er sehr unruhig, und beginnt, nach ihr zu suchen.

Deshalb hat Frau Müller bei uns in der Beratungsstelle angerufen und sich nach sozialer Betreuung erkundigt – erfahren hatte sie davon durch einen Zeitungsartikel. Beim Besuch stellt die Mitarbeiterin einen ersten Kontakt zwischen den Müllers und Frau G. her. Es soll abgeklärt werden, ob Frau G. in Zukunft regelmäßig kommt und für ein paar Stunden Herrn Müller beaufsichtigt, damit Frau Müller in Ruhe Besorgungen machen kann.

Das Eis ist bei Herrn Müller schnell gebrochen: Er begrüßt Frau G. gleich mit den Worten „Ja, Elisabeth, das ist aber schön, dass Du uns besuchst!“ Frau G. heißt mit Vornamen tatsächlich Elisabeth, aber Herrn Müller begegnet sie heute zum ersten Mal... Bei Kaffee und Kuchen stellt sich dann heraus, dass Sie Herrn Müllers inzwischen verstorbener Cousine ähnlich sieht, die auch Elisabeth hieß. So haben sie gleich ein Gesprächsthema und Frau Müller ist sichtlich erleichtert, dass es so einfach war, Frau G. als Helfende bei ihrem Mann einzuführen. Sie vereinbaren, dass Frau G. einmal wöchentlich für drei Stunden kommt.

Dienstag, 17.00 Uhr, Treffen der Helfenden im Nachbarschaftshaus Gostenhof

Einmal im Monat treffen sich unsere Helfer und HelferInnen im „HelferInnenkreis“. Dies ist eine Gruppe, die von einer Mitarbeiterin der Beratungsstelle begleitet wird und die den Helfenden die Möglichkeit gibt, Probleme oder Fragen zu besprechen, die in ihrer Tätigkeit entstehen oder auch von schönen, berührenden Erlebnissen mit den Demenzkranken zu erzählen. Auch Vorträge und Exkursionen finden in diesem Rahmen statt.

Heute erzählt Frau N. von Frau Altmeister, die bereits seit zwei Jahren bettlägerig ist. Aufgrund einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung, die zu Schluckstörungen führte, wird Frau Altmeister über eine Magensonde ernährt. Zudem ist sie blind und spricht nur noch selten einzelne Sätze.
Wir kommen ins Gespräch: Was ist „Lebensqualität“? Wäre es nicht ein Segen für Frau Altmeister, einfach sterben zu können? Wer hat das Recht, über lebensverlängernde Maßnahmen und damit über Leben und Tod zu entscheiden? Kann man einen Menschen „einfach verhungern“ lassen? Oder führt so eine Magensonde nur zu „unnötiger Quälerei“ des Patienten?
Fragen, mit denen unsere Helfenden immer wieder konfrontiert werden, auf die es keine „schnellen“ oder „richtigen“ Antworten gibt... Umso wichtiger ist es, über solche Themen zu reden, Zweifel und Fragen in Worte zu fassen.

Am Samstagnachmittag

Frau A. ist auch am Samstag „im Einsatz“. Sie besucht Herrn Meier, der aufgrund einer Rückenverletzung unter starken Schmerzen sowie unter Depressionen leidet und pflegebedürftig ist. Frau Meier, seine Ehefrau, hat Angst, ihren Mann alleine in der Wohnung zu lassen, denn in einem Notfall wäre er hilflos. Trotzdem würde sie sich am Wochenende gern mit ihren Kindern treffen, mit den Enkeln spielen und ab und zu zum Wandern gehen. Da kann sie sich entspannen und wieder Kraft tanken für ihren manchmal aufreibenden Alltag. Frau A. bleibt in der Zwischenzeit bei Herrn Meier, so dass Frau Meier beruhigt ihren freien Nachmittag genießen kann.